Anina-Steierdorf

Ortsname

Rumänisch: Anina
Deutsch: Anina-Steierdorf
Ungarisch: St√°jerlakanina

Der Ortsteil Anina wurde 1860 gegr√ľndet; Gelegentlich auch Anina-Steierdorf, zum Beispiel am Ortseingang im Ortsteil Steierdorf. Selten auch Erlental. Etymologie: Anin (rum.) = Erle (dt.)

Der Ortsteil Steierdorf wurde 1773 gegr√ľndet.

Basisdaten

Koordinaten: 45¬į6' N, 21¬į51' O.
PLZ: 325100
Telefonvorwahl:(+40)255
www.anina.ro

Gemeindeart: Stadt seit 1952;
Mehrere Ortsteile: Anina, Steierdorf, Bradet, ‚ÄěOrasul Nou‚Äú (Neustadt). Weitere historische Siedlungen (‚ÄěKolonien‚Äú): Uterisch, Sommerfrische, Hildegard, Sigismund, Schlucht, Theresiental, √Ėlfabrik.

Die 45 Grad Parallele ist auf der DN 57B Landesstraße Richtung Bozovici (s.u.) kurz nach Steierdorf mit einer Säule (gleich beim Rastplatz) gekennzeichnet.

Lage

Steierdorf-Anina liegt verstreut √ľber H√ľgel und T√§ler auf ca. 600-700 m H√∂he, umgeben von den teilweise unber√ľhrten Mischw√§ldern der Aninaer Berge, ein s√ľdlicher Ausl√§ufer der Westkarpaten. Die Ortschaft ist von der Kreishauptstadt Reschitz auf der Landesstra√üe DN 58 erreichbar. Von der Banatmetropole Temeswar aus gelangt man in etwa zwei Stunden √ľber Orawitz auf der Landesstra√üe DN 57B, die dann weiter durch das reizvolle Minischtal nach Herkules Bad f√ľhrt. Die Zugverbindung Orawitz-Anina stand kurz vor der Schlie√üung, wird jedoch noch drei mal t√§glich bedient. Es ist die √§lteste Montaneisenbahnstrecke des Landes, wegen der zahlreichen Tunnels und Viadukte auch Banater Semmeringbahn genannt. Bei einer Reisezeit von zwei Stunden ist es die Alternative f√ľr Natur und Eisenbahnliebhaber (s.u.).

Bevölkerungsentwicklung

Gesamtbevölkerung: 9127 (Stand 2007).

Lokale Organisationen

Demokratisches Forum der Banater Berglanddeutschen, Ortsverband: Anina - Steierdorf, Str. Victoriei Nr.1 (Tel. 0255 240919)

Bilder aus Anina - Steierdorf

Kurze Ortschronik

Die offizielle Geburtsstunde von Steierdorf war der 24 Juni 1773: Um den wachsenden Bedarf an Holzkohle zu befriedigen, wurden Holzschläger und Köhler im Orawitzer Forst, damals wohl ein Urwald, angesiedelt. An jenem Tag erreichten sie das Tal der heutigen Schulgasse ('Schusstagassl'), fällten nahe der Quelle eine Eiche und stellten ein Kreuz auf den Baumstamm. Die Siedler der ersten Stunde kamen hauptsächlich aus dem österreichischen Raum: Ischlergegend, Grundlsee, also das Salzkammergut und die Steiermark - daher der Name des Ortes.
Später erfolgte eine neue Ansiedlungsphase in der sich zahlreiche Familien, vor allem aus der Slowakei und Böhmen, in Steierdorf niederließen.

Das entscheidende Ereignis in der Geschichte Steierdorfs war ohne Zweifel die zuf√§llige Entdeckung eines St√ľcks Steinkohle durch den K√∂hler Mathias Hammer (1790).Damit wurden die Weichen gestellt f√ľr die zuk√ľnftige Entwicklung des Ortes. 1872 Hundert Jahre nach der Gr√ľndung z√§hlte Steierdorf bereits 10.000 Einwohner. ‚ÄúDie Arbeiterschaft der StEG (Kaiserlich-K√∂nigliche Privilegierte √Ėsterreichische Staatseisenbahngesellschaft) verteilte sich wie folgt: Bergleute 2200, Eisenwerk 1100, Forstbetriebe 500, Beamte und Angestellte 190. Zusammen 3990 Mann. Man erzeugte damals 180.140 Tonnen Steinkohle, 1921 Tonnen Eisenstein und 8289 Tonnen Roheisen.‚ÄĚ [Slovig].
Weitere Details unter www.steierdorf.de

Bauten und Kultur,
Die Ansiedler errichteten schon im ersten Jahr (1774) mit Hilfe der unter ihnen befindlichen Zimmerleute und Maurer ein Feldscherer- und Schulmeisterhaus, ein Spital und eine Schule. 1913 wurde ein neues Spital durch die Bergwerksgesellschaft fertiggestellt. Schon von Anfang an gab es mit Franz Krauß einen ständigen Chirurgen.
1914 wird die elektrische Beleuchtung eingef√ľhrt und [Slovig] notiert 42 Kaufl√§den, 71 Gewerbetreibende, 1 Obernotar und 2 Not√§re. Beeindruckend ist die Zahl von 19 Gastwirtschaften. Dabei wird als erste schon 1780 die Weinschenke des Orawitzaer Fleischers Fillip erw√§hnt.

Spital und Schulen.
Steierdorf hatte seit 1775 einen eigenen Schulmeister. Die heutigen Schulen in Steierdorf und Anina wurden 1910 aufgebaut. Später gab es Schulunterricht auch in Sigismund, Celnic und Bradet.

Kirchen
Als erster Altar, hat der √úberlieferung nach, der Wurzelstock einer geschlagenen Eiche gedient. F√ľr die Aus√ľbung des Gottesdienstes sorgte schon seit dem 1. Juli 1773 ein Kaplan. 1774 zelebriert ein franziskaner M√∂nch die erste Trauung zwischen Mathias Hammer und Barbara Hoffmann. "Es scheint ein Fingerzeig gewesen zu sein, dass eben die den Namen der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, tragenden Frau, dem Manne das Gl√ľck brachte; denn Mathias Hammer war es, der im Jahre 1790 einen sch√∂n gl√§nzenden, schwarzen Stein fand ..." [s. Slovig]
1786-1787 entsteht die erste Kirche in Steierdorf. An ihrer Stelle wird 1872 die heutige Kirche im neugotischen Stil eingeweiht. Genau so alt (1871) ist auch die evangelische Kirche in Steierdorf. Die heutige römisch-katholische Kirche in Anina wurde 1912 eingeweiht und ersetzt den vorherigen Bau aus dem Jahre 1878. Des weiteren gibt es in Sigismund eine römisch-katholische (1929) und eine baptistische Kirche. Die rumänisch-orthodoxe Kathedrale in Anina wurde 1939 eingeweiht.

Vereine
Nach Slovig sind folgende 'traditionelle' Vereine belegt: Sch√ľtzenverein, M√§nnergesangsverein, freiwillige Feuerwehr (1882). 1860 ist das Jahr der ersten Arbeiterunruhen und gleichzeitig auch das Gr√ľndungsjahr der Arbeiter-Bruderlade. Die Leistungen der Bruderlade werden bei [Stanglica] so beschrieben: : "Der erkrankte Arbeiter wurde von der Bruderlade, in die jeder Arbeiter monatlich einen gewissen Geldbetrag einzahlte, mit 2-4 Kr. [Kreuzer] Krankengeld t√§glich unterst√ľtzt." Im Vergleich: Die zu entrichtende Miete (Hauszins) f√ľr einen verheirateten Arbeiter war 1fl [Florin] 30Kr. 1897 ist das Gr√ľndungsjahr der ersten Berg- und H√ľttenarbeiter- Gewerkschaft Ungarns, der ersten Arbeiterb√ľcherei des Banater Berglands. "Der Steierdorfer Chormeister Franz Hummel ruft mit der Gesangsektion des ‚ÄěGewerkvereins" den ersten bergl√§ndischen Arbeiterchor ins Leben, dem sich eine ‚ÄěDilettantengruppe" anschlie√üt (erste Arbeiterb√ľhne des Berglands)" [Hromadka].
Bis in unseren Tagen t√§tig sind die Sterbe- und Unterst√ľtzungfonds Sophie und Elisabeth. Hier zahlte man i.d.R. Sonntag nach der Kirche seine Beitr√§ge ein, um sich dann ein ordentliches Begr√§bnis zu leisten. H√§ufig wurde damit die Musik bezahlt. Die Standardbesetzung lag bei sechs Mann, es konnten aber auch bis zu 20-30 Musikanten werden.

Wirtschaft

Steierdorf ist 1773 als K√∂hlersiedlung entstanden und hat weitere 200 Jahre nach der Entdeckung der Steinkohle (1790) davon gelebt. Bei Stanglica lesen wir: "Steierdorf lieferte Kohle von vorz√ľglicher Qualit√§t. Nach dem Berichte eines Gutachters √ľbertraf sie an G√ľte die englische Kohle". Damit versorgt wurden zuerst die Dampfschifffahrt auf der Donau, sp√§ter die aufkommende Eisenbahn und nat√ľrlich die H√ľtten und Schmelzwerke sowie die Maschinenindustrie im Banater Bergdistrikt. Die F√∂rderung ist eingestellt, neuerdings (im Zeichen der Energiekrise) gibt es Bestrebungen diese wieder zu beleben. Die Metallverarbeitung war bis zuletzt mit der Schraubenfabrik als verl√§ngerte Werkbank von Reschitz vertreten. [Slovig] wei√ü √ľber die in Anina erzeugten Schienen zu berichten, die auf der transsibirischen Eisenbahnstrecke gesichtet wurden. Wohlgemerkt noch vor den Kriegsentsch√§digungen an die damalige Sowjetunion. Holz war und ist auch heute ein weiteres Standbein, die Zukunft liegt aber m√∂glicherweise im ...

Kultur

Persönlichkeiten

Bilder aus Anina - Steierdorf

Tourismus

Dieser hat eine langj√§hrige Tradition: Die gute Waldluft hatte Steierdorf schon fr√ľher zu einer beliebten Sommerfrische f√ľr hitzegeplagte St√§dter empfohlen. Im Sommer sind 10¬į Temperaturunterschied zur Ebene durchaus √ľblich. 1893 wurde eigens daf√ľr eine Sommerfrische-Aktiengesellschaft gegr√ľndet. Im gleichnamigen Ortsteil wurden einige repr√§sentative Villen (Ollinger, Villa Dora) gebaut f√ľr G√§ste mit so klangvollen Namen wie Josephine Baker. Auch wenn heute eine entsprechende Infrastruktur fehlt, die heilsame Waldluft und die reizenden Wanderziele sind geblieben, sei es f√ľr den kurzen Spaziergang mitten in der unber√ľhrten Natur oder zum Baden im Fischteich (Buhui) oder in der Marghitas. Der Stausee Buhui, der 1908 auf Kalksteinuntergrund errichtet wurde, ist der √§lteste seiner Art. Daraus flie√üt die Buhui, wobei das Wasser zunehmend durch das Kalkarbett verschwindet. In der Buhuih√∂hle findet sich der Fluss wieder zusammen. Mit 3217 Meter ist er der l√§ngste unterirdische Fluss und dient der Wasserversorgung von Anina. Schlie√ülich wird sein Wasser im √§ltesten unterirdischen See (1889 gebaut) gespeichert und dient der Wasserversorgung von Anina (vgl. Sencu). Die Gegend um Steierdorf l√§sst auch Spel√§ologenherzen h√∂her schlagen. Eine Reihe von Tropfsteinh√∂hlen wie Plopa, Buhui oder Comarnic k√∂nnen auch von Touristen besucht werden .Im Winter gibt es noch immer reichlich Schnee: Warum nicht eine Skitour in der zauberhaften Kulisse unternehmen, oder mit dem Schlitten oder Bob den Stockerberg, wie damals, runter sausen.

Die besondere Attraktion ist nat√ľrlich die 33,8 km lange Normalspurbahn zwischen Orawitz und Anina. Diese Eisenbahn war eine Pionierleistung: Sie wurde schon 1863 dem Verkehr √ľbergeben, ist also die √§lteste Bahnstrecke Rum√§niens und kaum √§lter als die erste Bahnstrecke Deutschlands (1835). Zahlreichen Viadukte und Tunnels f√ľhren durch eine teilweise atemberaubende Kulisse. Die Bahn verkehrt noch immer drei mal t√§glich, die Kosten der Fahrkarte betragen unter einem Euro.

Die ber√ľhmtesten S√∂hne der Ortschaft sind wohl ‚ÄěIon si Vasile‚Äú, die zur Zeit √§ltesten Homo Sapiens Funde (37.000-35.000 Jahre vor Christus) in Europa. Der √§lteste Europ√§er moderner Pr√§gung ist somit ein Steierdorfer.

Anreise

Unterkunft

Pension Erika (Marghitas), Tel. +40-788-206663
Pension Anghelina (Anina), Tel. +40-766-798786
Hotel Steier (Steierdorf), Tel. +040-255-240115

Weitere Pensionen sind im Aufbau. Aktualisierungen und Anfragen an Privatpersonen unter www.steierdorf.de

Bibliographie

Hromadka Georg: Kleine Chronik des Banater Berglands, Verlag S√ľdostdeutsches Kulturwerk, M√ľnchen 1993
Schmidt Horst Dieter, Fassbinder Karl, Lataretu Florin-Josef, Familienbuch Steierdorf-Anina, Ulm 2000
Sencu Vasile: Plaiuri din Banat, Editura Sport-Turism, Bucuresti 1983
Slovig Wilhelm: Kurzer Umriß der Geschichte von Steierdorf-Anina, Honterus-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Hermanstadt 1940
Stanglica Franz: Steierdorf im Banat. Wien, 1939; √úberarbeitete und erweiterte Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1982
Vlad Dan, Mosoroceanu Cristian: 230 Jahre Steierdorf-Anina, Monographie zum Jubiläum.

Linksammlung

Eine Dokumentation zusammengestellt von Dipl.-Inf. Florin Lataretu