Ortsname


Rumänisch: Moldova Nouă

Deutsch: Neumoldowa, Neu-Moldowa

Ungarisch: Moldova Banya, Ujmoldova

Serbisch: Bosniak, Nova Moldava



Basisdaten


Koordinaten: 21,668° O / 44,7356° N

PLZ: 325500

Telefonvorwahl: 0040 255

Gemeindeart: Stadt mit folgenden Ortsteilen: Neumoldowa (Bosneak),

Alt Moldowa, Moldovitza (Karlsdorf), Neustadt (Orasul Nou) und

Macesti (Mathiovicz).



Lage


Neumoldowa liegt am Südrand des Locva Gebirges in einer Höhe von 270m üNN. Nachbargemeinden sind im Norden Garnik und Kohlendorf (Carbunari), im Osten Coronini, im Westen Pojejena, im Süden am gegenüberliegenden Ufer der Donau grenzt es an Serbien.


Anbindungswege: Neumoldowa hat einen Donauhafen und befindet sich an der Nationalstrasse DN57 zwischen Orschowa und Naidasch, 48 Km entfernt von Orawitza und 85 Km von Reschitza. Die Stadt hat keine Bahnverbindung, der nächste Bahnhof befindet sich in Rakaschdia.



Bilder aus Neu-Moldowa













Bevölkerungsentwicklung


1717: 32 Häuser

1762: 65 deutsche Bergarbeiter mit Familien

1800: ca. 700 deutsche Einwohner

1895: 3380 Einwohner, davon 500 Deutsche

1910: 3690 Einwohner, davon 295 Deutsche

1930: 3960 Einwohner davon 198 Deutsche

2006: 13911 Einwohner davon 36 Deutsche



Lokale Organisationen


Rathaus: Str. N. Balcescu, nr. 26

Telefon: 0255/540 997, 0255/542 134



Kurze Ortschronik


- in der Gegend von Neumoldowa herrscht ein untermediterranes Klima, welches seit eh und je die menschliche Besiedlung begünstigt hat.

- Römische Donauwache Castrum Castellum Mudavae. Bereits zu dieser Zeit Bergbau auf Edelmetalle. Hier begann die römische Bergbaustrasse über Saska, Orawitz, Dognacska nach Bersowia.

- Um 1427 Ungarische Burg, nach 1558 türkisches Sangiac Mudava, ab 1718 zum kaiserlichen Bergdistrikt Banat.

- Nach 1722 Beginn der österreichischen Kolonialisierung mit Bergleuten aus der Krain, der Steiermark und aus dem Tirol.

- 1724 Gründung der katholischen Pfarrei und Bau einer ersten Holzkirche.

- 1727 wird hier eine Lederei eröffnet, um den wachsenden Bedarf des Bergbaus zu decken.

- 1733 Neubau der Kupferhütte auf dem Standort einer alten türkischen Schmelze.

- 1738 durch den Türkenkrieg und Bevölkerungsaufstand wird die Siedlung schwer beschädigt.

- 1741 Wiederaufbau der Anlagen, ab jetzt als eigenständige Bergschafferei mit Bergbauschule.

- 1744 aufgrund der unsicheren Lage im Grenzgebiet wurde der Ort für einige Jahre aufgegeben.

- 1754 wurde der Bergbau wieder aufgenommen, das Revier wurde dem Bergamt Saska zugeteilt.

- 1773 Die Bergleitung leistete mit Erfolg Widerstand gegen die Einverleibung von Moldowa in die neu geschaffene Militärgrenze.

- 1775 gehen die zwei Ortsteile Bosniak und Baron in Neumoldowa zusammen.

- 1788 erneuter Türkenkrieg, große Schäden und Bevölkerungsflucht.

- 1791 wird die durch den Krieg zerstörte Kirche (Hl. Johannes der Täufer) neu aufgebaut.

- 1793 entsteht die Holzfäller- und Köhlersiedlung Karlsdorf (Moldovitza), genannt nach dem Namen des Prinzen Karl, Besitzer der ertragsreichen Kupfergrube Amalia. Besiedelt mit einem Teil der für Steierdorf vorgesehenen Kolonisten, einigen Schwaben sowie mit französischen Vertriebenen (1797).

- 1805 wird Neumoldowa, infolge des Antrages von Bergmeister Berner an Prinz Ludwig zu einem selbstständigen Bergamt.

- 1834-1846 wird die Strasse entlang der Klein- und Grosskasanen zwischen Orschowa und Neumoldowa gebaut.

- 1848 erneute Zerstörung der Kupferwerke durch aufständische Serben. Der Ort wird eingeäschert. Infolge dieser Krise ist die Gemeinde 1849 gezwungen eigenes Notgeld aus Papier auszugeben.

- 1853 wurde die neu errichtete Kirche durch den Dechant J. H. Kümmer eingeweiht. Die Orgel sowie der Hauptaltar sind von dem Kunsttischler Anton Dangl aus Arad hergestellt.

- 1868 wurde der Kupferbergbau in Neumoldowa eingestellt

- Zwischen 1858 - 1900 funktionierte hier eine Schwefelsäurefabrik. Sie war die erste Anlage ihrer Art in Ungarn. Hier wurde auch Kupfervitriol erzeugt, erforderlich für die Silbersaigerung in der Tschiklowarer Kupferhütte. Im Jahr 1898 wurde die dazugehörige Kiesgrube im Deutschen Tal (Valea Mare) geschlossen.

- Am 27. September 1896 feierliche Eröffnung des "Eisernen - Tor - Kanales" in Anwesenheit Ihrer Majestäten des Kaisers und Königs Franz Josef I., Königs Carol I. von Rumänien und des Königs Alexander I. von Serbien. (Das "Eiserne Tor" wurde durch einen am rechten Ufer der Donau hinführenden, künstlich angelegten Kanal umgangen).

- 1895 geht in Alt-Moldowa eine Seidenfabrik in Betrieb.

- Nach 1918 starke Auswanderungswelle in die neuen Banater Stahl- und Kohlengrubenzentren, aber auch nach Ungarn und nach Amerika.

- Im September 1944 schwere Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht in den umliegenden Bergen.

- Zwischen 1948 -1954 erlitten die rumänisch-jugoslawischen Staatsbeziehungen eine tiefe und gefährliche Krise, die 1950 mit dem Schauprozess der “Titoisten” ihren Höhepunkt erreichte. Das Grenzgebiet wurde militarisiert und die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.

- Nach 1960 erneut Bergbau- und Hüttenbetrieb. Die Hauptgruben hießen Suvarov, Florimund und Varad. Ab 1974 wurde das Kupfererz auch im Tagebau abgebaut und in der Bereicherungsanlage Golgota zu Konzentrat verarbeitet.

- 1972 Bau des Wasserkraftwerks Eisernes Tor 1 und Regulierung der Donau-Fahrrinne bei den Kasanen. In traulicher Erinnerung geblieben ist diese Talsperre durch die vielen gescheiterten Fluchtversuche nach Jugoslawien.

- 1960-1974 infolge des Bevölkerungszuwachses entsteht das Arbeiterviertel Neustadt (Orasul Nou).

- Mitte der 1990er Jahre kurzer aber kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung in großer Bandbreite aufgrund des Embargos zum damaligen Kriegsschauplatz Jugoslawien.



Wirtschaft


- Industriell geprägt war diese Stadt bis vor einigen Jahren vom Staatsbetrieb MOLDAMIN S.A., einem Bergbaukonzern, dessen Liquidierung der Staat wegen gravierender Umweltprobleme immer noch hinauszögert.

- Der Donauhafen Alt-Moldowa ist eine technisch gut ausgerüstete Freizone für Waren- und Personentransport mit einer gesamten Kailänge von ca. 500m und Ganzjahresbetrieb.

- 2011 hat die Produktion von elektrischen Kabelsträngen für die europäische Autoindustrie in einem neuen Werk der Firma Delphi Automotive begonnen.

- Der Weinanbau. Ende des 19. Jh. hat die Reblaus den traditionellen Weinbau zugrunde gerichtet. Später hat hier die Gesellschaft UDR einen modernen Weinanbau sowie auch moderne Anlagen zur Weinerzeugung errichtet. Das Weingebiet (ca. 250 ha) profitiert von der günstigen Südlage und dem milden Klima. Erzeugt werden hauptsächlich Rotweine und Tafeltrauben.

- In den umliegenden Wäldern wachsen – bedingt durch das Mittelmeerklima - hochwertige Holzarten, die aber aus Mangel an geeigneten lokalen Verarbeitungsanlagen meistens als Rohstoff ausgeführt werden.

- Weiterhin bleibt der überwiegende Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, aber die wahre Zukunft der Stadt scheint eher im Tourismus und Flusshandel zu liegen.



Kultur


- Gesangvereine, Kapellen, Lese- und Theatervereine werden - wie überall im Bergland - auch hier verstärkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. Bedingt aber durch die Aufgabe des Bergbaus und Abwanderung der Gewerke und Fachleute ist auch der Höhepunkt der deutschen kulturellen Prägung mit Ende des 19. Jahrhunderts eindeutig überschritten.

- 1930 hatte auch die überregionale Kulturgesellschaft Astra in Moldowa eine Filiale.

- Heutzutage besitzt die Stadt ein interessantes Museum, zwei Bibliotheken, ein städtisches Kulturhaus und zwei Kinos. Neumoldowa ist Partnerstadt mit Gradiste und Kragujevac aus Serbien.

- Religion: in Alt-Moldowa und Macesti pflegt die überwiegend serbische Bevölkerung die orthodoxe Tradition nach dem alten julianischen Ritus, dagegen in Neumoldowa die Rumänen nach dem neuen Ritus. Die Deutschen und Tschechen sind katholisch. Gefeiert werden aber gemeinsam die katholische Kirchweihe und die orthodoxe Ruga /„Nedeea“, der Fasching, das Bergmannsfest, der Almabtrieb aber auch Festivals wie die Kultur- oder die Seniorentage.



Persönlichkeiten


- Franz Masoch (1763 Neumoldowa -1845 Lemberg), Chirurge und Rektor der Universität Lemberg

- Emilijan Josimovic (1823-1897) – Banater Architekt, Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften

- Nikola Gavrilovic (1912 – 2006) Universitätsprofessor in Novi Sad, zahlreiche Studien über das Banater Schulsystem

- Franz Stürmer (1913 Neumoldowa - 1983 in Reschitza), Musikpädagoge, u.a. Chorleiter der deutschen Operettengruppe Reschitza und Dirigent des Symphonieorchesters in Reschitza

- Adrian Coriolan Gaspar (1987 Neumoldowa), rumänisch-österreichischer Pianist, Komponist und Arrangeur



Tourismus


Die Stadt gehört zum Nationalpark „Eisernes Tor“. Innerhalb ihrer Grenzen befindet sich bereits seit 1954 das Biosphärenreservat Valea Mare / Deutschtal (325 ha) unterhalb des Gipfels Gorganu Mic, ein Wald mit mediterranem und untermediterranem Baumbestand. Man findet hier sogar Korkeiche und Seidelbast, Flieder, Holunder- und Feigenbäume. Hier befindet sich die bekannte Räubergrotte, eine der größten Merkwürdigkeiten des Gebirges. Entlang des Moldovitza Baches kann eine Kette von Wasserfällen mit Fallhöhen zwischen 10 und 30 m bewundert werden.


Vom Kalvarienberg aus, oberhalb der kath. Kirche, bekommt der Wanderer eine schöne Aussicht über das Becken von Moldowa bis auf das serbische Donauufer (Golubatz) hin. Entlang der Donau begegnet man dem Ostrov Decebal (die frühere, größtenteils überflutete Moldowa-Insel) mit seiner reichen Vogel- und Pflanzenwelt, sowie dem einsamen Babakaj-Felsen bevor die Donauenge (Kasanen) mit ihren steilen Kalksteinhängen beginnt.



Bibliographie


Adriana Popovici – Moldova Noua, 2006

Anton Zollner – Deutsche in der Klissura, 1996

Karl Erdelyi – Wegweiser des Südungarischen Karpatenvereins, 1895

Costin Fenesan – Mineritul si Metalurgia din Banat, 1976

H.D. Schmidt u.a. – Familienbuch der Gemeinde Neumoldowa, 2008

Rudolf Gräf – Domeniul banatean al StEG, 1997



Linksammlung


http://www.polpi.net/neues.htm




Eine Dokumentation zusammengestellt von Walter Woth


BB_Neu_Moldova
orte_neumoldowa_02
orte_neumoldowa_10
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