Herkulesbad

Ortsname

Rumänisch: Baile Herculane
Deutsch: Herkulesbad
Ungarisch: Herkulesfürdo

Basisdaten

PLZ: 325200
Koordinaten: 44° 52' 38'' N, 22° 25' 3'' O
Gemeindeart: Stadt und Kuhrort

Lage

Herkulesbad ist eine Stadt und ein Kurort im Banater Bergland, im engen Tal des Flusses Tscherna (Cerna), berühmt durch seine wilde Karstlandschaft, zwischen den Mehedinti-Gebirge (im Osten) und das Tscherna-Gebirge (im Westen). Der Kurort liegt 168 Meter über dem Meeresspiegel, am Fuße des über 1000 Meter hohen Domogled Berges, der seit 1932 ein Naturreservat bildet.

Bilder aus Herkulesbad
Bevölkerungsentwicklung

1880
Gesamt: 336 Einwohner
Rumänen: 75
Ungarn: 62
Deutsche: 172

1900: 419 Einwohner
1910: 509 Einwohner
1992: 6340 Einwohner

2002
Gesamt: 5396 Einwohner
Rumänen: 5217
Ungarn: 51
Deutsche: 27

Lokale Organisationen

Rathaus, Mihai Eminescu Str. Nr. 10

Bilder aus Herkulesbad

Kurze Ortschronik

Herkulesbad ist der älteste Kurort Rumäniens, durch die Römer nach dem Sieg über die Daker gegründet. Das Bad, damals Ad aquas Herkuli sacras (Die heiligen Wasser Herkules) benannt, wurde bereits im Jahr 153 n. Chr. zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Gute Strassen führten in Richtung Norden nach Ad Mediam (Mehadia) und Süden nach Dierna (Orschowa), wo römische Truppen lagerten. Der Ort war damals als Kurort weit bekannt und geschätzt. Aus dieser Zeit blieben viel Spuren erhalten: Apedukte, Bäder, Statuen und Münzen.

Im Mittelalter und während der Türkenzeit verlor Herkulesbad an Bedeutung. Erst nachdem das Banat an Österreich fiel, wurden 1736 die Bäder durch den Feldmarschall Hamilton wieder eröffnet.
1763 begann die Rekonstruktion der Bäder, der Gebäude und Zugangswege. Die meisten Gebäude wurden durch die Soldaten des „Rumänisch-Banatischen Grenzregiment“ erstellt.
1772 besuchte Kaiser Josef der II die Gegend. Der Ort wurde während des Türkenkrieges 1788-1789 teilweise zerstört, erlebte aber ab 1800 seine Blütezeit.
Ab 1801 wurden die ersten Pavillons gebaut die teilweise auch heute noch funktionsfähig sind.
Die Bauten an beiden Seiten des Tscherna Ufers (Franz-Josef-Hof, Rudolf-Hof, Theresien-Hof), alle spätbarocke Bauwerke, wurden von den Wiener Architekten Wilhelm Doderer geplant. Die Bauten erstrahlten in hellen Gelb und Statuen der Venus, Hygieia, Äskulap, Diana und andere Götter des alten Roms schmückten die Giebeln und Fassaden.
1847 wurde die von den Wiener Künstler Romalmeyer und Glantz entworfene Herkulesstatue errichtet, das Wahrzeichen von Herkulesbad. Als Rohmaterial verwendete man Kanonenrohre.
Einige Jahre später (1852) besuchte Kaiser Franz Josef die Station. 1856 wurde die römisch-katholische Kapelle „Zur Hl. Maria“ gebaut. Zu den prominentesten Besuchern von Herkulesbad zählt die Kaiserin Elisabeth, (Sissi) die hier 1887 weilte. Die Villa, in der sie wohnte, erhielt ihren Namen. Sissi hat Herkulesbad sogar ein selbst geschriebenes Gedicht gewidmet. Im Jahr 1896 traf sich hier Kaiser Franz Josef I. mit König Carol I. von Rumänien und Zar Alexander I. von Serbien bei den Feierlichkeiten zur offiziellen Kanaleröffnung des neu geschaffenen schiffbaren Eisernen Tores. Die früheren Kaiser-Appartements, das Kaiserbad und die Kaiserkapelle sowie das Casino können noch immer besichtigt werden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch die Eisenbahnstrecke zwischen Karansebesch und Orschowa fertiggestellt. 1879 wurde das schöne, im barocken Still errichtete Bahnhofgebäude eröffnet, das sich von der einfachen Bauart anderer Bahnhofhäuser deutlich unterscheidet. Der Kuppelbau wurde von Chevalier de Serre ausgeführt und reichlich geschmückt.
Somit gehörte Herkulesbad Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts zu den schönsten Kurbädern Europas.

Im Ergebnis des Ersten Weltkrieges und des Vertrages von Trianon kam Herkulesbad an Rumänien. Seitdem wurden die Kuranlagen weiter ausgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg, als der Kurort ausgebaut wurde, hat man den alten schönen Ortskern nicht angetastet. Die meisten Kurhotels tragen die Namen römischer Götter.
Der Ort erhielt den Status einer Stadt. Herkulesbad ist heute einer der bedeutendsten Kurorte Rumäniens.

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Wirtschaft

Die bedeutendste Wirtschaftskraft Herkulesbads sind die Behandlungsanlagen und der Tourismus. Die zahlreichen Mineralquellen sind der wichtigste Heilfaktor. Auf einer Länge von 4 km werden 16 Thermalquellen verschiedener mineralischer Zusammensetzung genutzt, von einem Pflegepersonal mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Bädertherapie.

Natürliche Heilfaktoren:
- Schwefel-Thermalwasser mit 38,5 - 53,5° C und einem Mineraliengehalt (Kalzium, Natrium, Bikarbonat, u.a.) von 500 – 2.600 mg/l. Das Thermalwasser ist reich an Schwefel, Jod, Chlor-Natrium, u.a., mit 62° C und einem Mineraliengehalt von 3.870 – 7930 mg/l.
- Die Luft in Herkulesbad weißt eine negative Ionisierung von über 2.000 Negativ–Ionen/cm³ auf.

Klima:
- Herkulesbad erfreut sich in einer Gebirgesdepression eines typischen durchschnittlichen kontinentalen Klimas mit Mittelmeereinfluss.

Indikationen:

- Chronische Atemwegserkrankungen
- Bronchitis
- Asthma
- Chronische gynäkologische Leiden
- Augenkrankheiten
- Zuckerkrankheit
- Krankheiten des Bewegungsapparats
- Rheuma und rheumatische Leiden und Entzündungen
- Posttraumatisches Leiden
- Leiden des zentralen– und peripheren Nervensystem
- Übergewicht

Kultur

In Herkulesbad finden fortlaufend vielseitige und interessante kulturelle Veranstaltungen statt.
Darunter können erwähnt werden:
- das Internationale Folklorefestival „Herkules“
- die Festtage des Kurorts
- das Schnapsfestival
- das „Herkules“ Marathon

Persönlichkeiten

Friedrich von Martini - Ingenieur und Erfinder Sabin Opreanu – Schriftsteller, Mitglied der Rumänischen Schriftstellervereinigung Marianei Draghicescu – Volksmusik Sängerin, verbrachte die Jugendzeit in Herkulesbad

Tourismus

Ein Teil der Kuranlagen befindet sich in einem unbefriedigenden Zustand und ist renovierungsbedürftig. Die rumänische Regierung plant Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur der touristischen Anlagen.

Der Nationalpark Tscherna Tal in den wilden Südkarpaten Rumäniens ist mit einer Fläche von 60 000 ha einer der größten Nationalparks des Landes. Die geologisch reizvolle Landschaft mit ihren Karst-, Felsformationen und tiefen Schluchten sowie ihrem milden, mediterranen Klima bietet einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Heimat.
Den Touristen steht ein Team von erfahrenen Bergführen und Bergsteigern zur Verfügung.

Unweit von Herkulesbad befindet sich einer der schönsten Donauabschnitte. Im sogenannten Donauengpass oder „Donaukessel“ (Cazane) fließt die Donau durch ein eng geschnittenes Flussbett, welches zwischen den Karpaten und dem Balkangebirge liegt. Man kann die Gegend sowohl mit dem Auto von der Straße aus als auch mit dem Schiff auf der Donau bewundern. Reisen in die Umgebung werden in Herkulesbad angeboten.

Bilder aus Herkulesbad

Sehenswürdigkeiten

Die bronzene Statue des Herkules
- das Kurmuseum mit archäologischen Funden aus der Römerzeit
- die römischen Bäder (Hotel Roman im Erdgeschoss)
- die österreichischen Bäder
- das Casino (1913)
- die Stadt Orsova, die Hydrozentrale und Stausee „Eisernes Tor 1“ und der Donauengpass (Cazane)

Anreise

Mit dem Auto:
Von Temeschburg aus kommend, über die Europastrasse E70 in Richtung Bukarest

Mit der Bahn:
- Von Wien gibt es eine tägliche Bahnverbindung nach Temeschburg. Von da aus erreicht man Herkulesbad in 2…3 Stunden Fahrt auf der Strecke nach Bukarest

Unterkunft

Den Gästen stehen teilweise sanierte und modernisierte Hotels der 2-, 3- und 4-Sterne-Kategorie zur Verfügung, mit einer Gesamtkapazität von über 4000 Plätze, wie auch moderne Behandlungszentren.
Empfehlenswert ist das Hotel Ferdinand, Piata Hercules Str., Tel. +40 755 097097

Unterkunft-Portal Herkulesbad

Bibliographie

Dr.Dr.h.c Horst Schmidt: Familienbuch der Gemeinden und Herkulesbad 1740-1900, Serie Banater Bergland, Bd.8
Calincof Eleonora: Contributii documentare privind Baile Herculane la inceputul secolului al XIX-lea, Banatica 5, 1979
Ghid turistic Caras-Severin, Resita 2008
Vasile Sencu: Plaiuri din Banat, Editura Sport-Turism, Bukarest 1983

Linksammlung
Eine Dokumentation zusammengestellt von Dr. Horst Schmidt und Robert Babiak